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Historische Wurzeln:
Das älteste Schriftstück, das über eine Schützengilde in Winsen berichtet, datiert vom 24.September 1597. Es ist ein Schreiben der Schaffer an die auf dem Schlosse residierende Herzogin Dorothea. Man bittet um die Stiftung des jährlichen Ehrenpreises für das Scheiben- und Vogelschießen. Die Gilde als Vorläufer des heutigen Schützenkorps wurde 1750 aufgelöst. Mit dem reichhaltigen Silberschatz wurden im Jahre 1832 Stadtschulden beglichen. Lediglich der Rest der Fahne aus dem Jahr 1705 konnte in die Gegenwart gerettet werden. Fast hundert Jahre ruhte dann in Winsen das Schützenwesen.
Gründung:
Am 05. Dezember 1848, dem Jahre des demokratischen Aufbruchs in Deutschland, gründeten 60 Winsener Bürger das Schützenkorps. Damit ist das Schützenkorps Winsen (Luhe) der älteste Sportverein des Kreissportbundes Harburg-Land. Für jedermann sichtbar werden Teile der Winsener Königkette und eine von Kaiser Wilhelm II 1898 zum 50-jährigen Jubiläum gestiftete Kette im Heimatmuseum im Marstall ausgestellt.
Die Schützenhäuser:
1849 wurde das erste Schützenfest auf dem Platz gefeiert, der dem Korps auch heute noch zur Verfügung steht. Käuflich erwarb man den früheren Zitronenkamp und heutigen Schützenplatz bereits 1850. Unter dem Kommandeur Theodor Meinecke wurde 1874 das erste Schützenhaus gebaut, das bis zum Jahre 1912 den Ansprüchen genügte. Kommandeur Julius Schröder, 1936 wurde er Ehrenbürger der Stadt, war der Initiator für den Bau des zweiten Schützenhauses in den Jahren 1912/1913. In Größe und Aufmachung gab es zu der Zeit in Norddeutschland nur wenige vergleichbare Objekte. Dieses Schützenhaus hat Jahrzehnte hindurch ein reges Schützenleben gesehen, es diente im 2. Weltkrieg aber auch als Lazarett und wurde im Jahre 1970 von den Schützen wegen zu großer Reparatur- und Unterhaltungskosten aufgegeben und an die Stadt Winsen verkauft.
Neues Schießsportzentrum:
Da auch der 1898 gebaute Schießstand den Ansprüchen nicht mehr genügte, entschloss man sich ein Schießsportzentrum mit allen für die Durchführung des Vereinslebens notwendigen Räumen zu bauen. Dieser Entschluss wurde 1975 unter dem Kommandeur K.H. Grimm realisiert. Auf 20 Kleinkaliberständen, 10 Luftgewehrständen, 5 Pistolenständen und 4 kombinierten Luftgewehr- und Zimmerstutzenständen herrscht seitdem ein reges Treiben.
Jedes Jahr prägen mehrere festliche und sportliche Höhepunkte das Vereinsleben. Im Januar ist es das Vogelschießen, im August das 4-tägige Schützenfest mit Zapfenstreich am Donnerstag und Königsschießen am Freitag.
Norddeutsche Schießsportwoche:
Mit dem Bau des Schießsportzentrums im Jahre 1975 wurde die Norddeutsche Schießsportwoche ins Leben gerufen, die bis 2006 jedes Jahr im Herbst stattfand. Im Laufe der Jahre war die Norddeutsche Schießsportwoche zu einer der bekanntesten Sportveranstaltungen dieser Art in Nordeuropa geworden. Olympiasieger, Welt- und Europameister haben in fairem, sportlichen Wettkampf auf dieser für den Breiten- und Spitzensport wichtigen Veranstaltung ihre Visitenkarte abgegeben. Initiator war Wilhelm Rulfs, der 1986 zum 14. Kommandeur in der Geschichte des Korps gewählt wurde. In der Zwischenzeit ist aus der Schießsportwoche die Internationale Norddeutsche Meisterschaft im Wettbewerb 60 Schuss Liegend geworden, die jetzt auch schon zum 19. Mal ausgetragen wird.
Jubiläum 150 Jahre:
Unter der Regie von Wilhelm Rulfs feierte das Schützenkorps im Jahre 1998 den 150. Geburtstag. Mit dem Aufbau eines mittelalterlichen Stadttores in der Fußgängerzone von Winsen und vielen anderen Aktivitäten wurde präzise auf den Höhepunkt des Jubiläums hingearbeitet. Am Schützenfest-Sonntag sah Winsen den größten Schützenumzug seiner Geschichte - fast 2.500 Teilnehmer sorgten für eine grandiose Stimmung in der Stadt und auf dem Jahnplatz, dem Ziel des Sternmarsches. Hier wurde dann die 6. Fahne des Korps geweiht.
Modernisierung des Schießstandes 2002:
Unter Aufwendung erheblicher finanzieller Mittel, konnte im Jahr 2002 der Kleinkaliberschießstand auf ein modernes elektronisches Scheibenmessverfahren umgestellt werden. Auch heute ist unser KK-Schießstand damit im Hamburger Umland der größte Stand mit der komfortablen und schnellen elektronischen Messung. Die zahlreich stattfindenden Meisterschaften der Verbände belegen dies deutlich.
Landesgartenschau 2006:
Anläßlich der Landesgartenschau, die 2006 in Winsen stattfand, organisierte das Schützenkorps einen großen Festumzug. Über 1600 Teilnehmer marschierten durch die Stadt. Ausgangspunkte waren die Bleiche und das Nasse End, um dann vom Marstall aus über das Gartenschaugelände hin zur Festbühne zu gelangen. Hier wurden die Landesgatenschaukönige proklamiert.
Jubiläum 160 Jahre
Zusammen mit der Stadt Winsen, die 850 Jahre alt wird, begeht das Schützenkorps in 2008 sein 160-jähriges Jubiläum. Ein großes Jubelkönigsschiessen hat gemeinsam mit den 3 anderen Ortvereinen anlässlich dieses Jubiläums bei guter Beteiligung stattgefunden.
Die Gegenwart:
Das Schützenkorps Winsen (Luhe) hat heute ca. 330 Mitglieder. Darunter befindet sich eine Jugend-, eine Damen-, eine Pistolen-, eine Wurfscheiben- und seit kurzem eine Feldarmbrustabteilung. Der Traditionsbereich unterhält seit 1959 eine Patenschaft zur Pillkaller (Schloßberger) Schützengilde.
Immer mehr tritt der Sport in den Vordergrund. Erfolge Winsener Schützen auf nationaler und internationaler Ebene werden mehr. 2008 wurde Hendrik Hartzmann Bundesjugendkönig, H.J. Krefft wurde 2010 Deutscher Meister in der Disziplin 60 Schuss Liegend, Barbara Schygulla gewann mit der Feldarmbrust auf der Europa-meisterschaft 2010 eine Bronzemedaille und Niklas Stallbaum ist Mitglied der Junioren-Feldarmbrust- Nationalmannschaft.
Unter anderem weist auch damit das Schützenkorps auf seine satzungsgemäßen Aufgaben hin: Aber neben der Bewahrung der heimatlichen Bräuche, Traditionen und Werte ist die Durchführung von schießsportlichen Wettkämpfen zum Wohle des deutschen Schützenwesens immer mehr ein ganz wichtiger Vereinszweck. Dass dieser Weg auch für die Zukunft Bestand hat, wurde schon 1986 mit der Verleihung der Sportplakette durch den Bundespräsidenten Richard v. Weizsäcker dokumentiert.